Aus meinem Buch BEONIMUS RABENBEIN – KLATSCH UND TRATSCH

Priscilla Mirlinda Freudenreich

Ich gebe ja zu, denkt sich Priscilla Mirlinda während sie sich von allen Seiten im Spiegel betrachtet, ich gebe es wirklich zu, dass ich etwas shoppingsüchtig bin. Sie stolziert zu ihrem Kleiderkasten und sucht sich schon das x-te Kleidungsstück aus ihrem Schrank. Keines will ihr heute so richtig gefallen. Ich habe nichts anzuziehen, denkt sie sich, während sie zehn Kleider samt Bügel auf ihr Bett drapiert. Sie holt sich aus dem Schuhschrank zehn paar Schuhe und stellt sie abwechselnd zu den drapierten Kleidern. Und es fällt ihr wie Federn von der Braue, ich habe wirklich keine passenden Schuhe. Eine absolute Katastrophe. Sie hat heute ihr allwöchentliches Treffen mit ihrer Mädchenclique im Eissalon „Die kleine Eisprinzessin“ das direkt in der Einflugschneise, der sogenannten Flaniermeile, im Herzen des kleinen Birkenwäldchens „Südwind“ liegt. Sie muss heute wieder perfekt gekleidet sein, das ist ein absolutes Muss, alte Klamotten sind ein No-Go, wie die Amerikaner so schön zu sagen pflegen. Kurz entschlossen, streift sie ihren geliebten Tupfenzweiteiler, den sie schon jahrelang im Schrank hat und immer wieder gerne bei „Schrankalarm“, was bedeutet „ich habe nichts anzuziehen“, über und macht sich auf in die nächste In-Boutique. Sie weiß von ihrer besten Freundin, Xara Liridona, dass tags zuvor die neueste Kollektion aus Milano eingetroffen ist. Es sind nur zehn Flugminuten von ihrem Zuhause entfernt, denn Prissy, so wird sie von ihren Freundinnen genannt, wohnt in einem kleinen aber schicken Appartement am Waldesrand mit Blick auf den Fluss. Im Schaufenster hängt ein Schild „Auslage in Arbeit“. Neugierig betritt Prissy die Boutique. Die Verkäuferinnen sind, in Schachteln wühlend, mit dem Auspacken der Kollektion beschäftigt. Eine der Verkäuferinnen hat sie hereinkommen gesehen und eilt ihr entgegen. „Oh, das gnädige Fräulein kommt auch direkt aus Milano?“, meint sie freudestrahlend. „Schön der neue Trend, nicht wahr? Wir haben auch noch andere Farben im Programm, ein kleines Minütchen, ich bin gleich bei Ihnen“, meint sie, verschwindet im Lager und lässt Prissy erstaunt zurück. Kurz darauf erscheint sie mit einem rosa-, gelb- und grüngetupften Zweiteiler im selben Stil wie Prissys`. Zum ersten Mal ist sie am absolut aller, aller neuesten Stand der Frühlingsmode und so fliegt sie gleich, ohne sich umzuziehen, zum Treffen mit ihrer Clique. Als sie den Eissalon „Die kleine Eisprinzessin“ betritt staunt sie nicht schlecht, als alle Freundinnen im neuen Tupfenschick gekleidet sind, jeder in einer anderen Farbe. Haben jetzt alle ihre alten Klamotten an oder sich neue gekauft, denkt sich Prissy, doch leider wird sie das nie erfahren, denn sonst müsste sie zugeben, dass sie sich keine neuen Klamotten gekauft hatte. Es wurde wie immer noch ein ausgesprochen schöner Nachmittag, denn sie waren wieder einmal Stadtgespräch und die Stadtzeitung schrieb unter dem Titel „Bunt getupft ist schon die halbe Miete“ einen stylishen Artikel über die Clique und das ist natürlich die Hauptsache.

Das rosarote Bilderbuch – Am Gauklermarkt

Adelheid putzt gründlich ihre Federn, poliert den Schnabel und legt etwas Rouge auf
Den Schmuck lässt sie lieber zu Hause, denn sie will nicht auffallen
Adelheid von Rothfeder & David Roggenfelder jun.

Der Gauklermarkt

Adelheid von Rothschnabel, sie stammt aus einer ganz alten Adelsfamilie, steht  schon früh auf, denn heute eröffnet der legendäre Gauklermarkt, der nur alle zwei Jahre in die Stadt kommt. Dieses Mal, das weiß Adelheid, wird sie mit Sicherheit dorthin fliegen. Ihre Eltern, die sich für etwas Besseres halten, wollten die Jahre zuvor nicht, dass ihre Tochter sich unter das gewöhnliche Volk mischt und schon gar nicht unter das einfache Gauklervolk. Dafür hatte Adelheid schon andere Möglichkeiten. Sie durfte sämtliche Opern- und Theaterhäuser der Umgebung kennenlernen, sie kann mittlerweile sogar die Operette „Der Vogelhändler“ auswendig zwitschern, und hatte eine Einladung in die „Maiburger Scala“, in das angesagteste Opernhaus des südlichen Westens, in dem sich nur die Reichen der Reichen zum Stelldichein treffen und durfte die berühmte Opernsängerin, Nana Trebko, nach der Vorstellung in ihrer Garderobe kennenlernen. Adelheid, die sehr an Kunst und Kultur interessiert ist, will unbedingt auch einmal etwas Anderes erleben und den Gauklermarkt, wenn es sein muss, auch heimlich besuchen, denn der Ruf des Marktes eilt ihm voraus, als einer der besten des gesamten königlichen Vogelreiches und noch darüber hinaus. Also putzt Adelheid gründlich ihre Federn, poliert den Schnabel und legt etwas Rouge auf. Den Schmuck lässt sie lieber zu Hause, denn sie will nicht auffallen. So schleicht sie heimlich aus dem Haus und fliegt in die Stadt. Am Stadtrand, auf dem großen Freigelände neben dem Fluss, haben die Markfahrer ihre Stände rund um ein buntes Zelt aufgebaut. Adelheid ist erstaunt über das bunte Treiben. Stelzengeher, Clowns, Hiphop-Tänzer, Beatboxende Jugendliche und Akrobaten bespielen den Platz rund um das Zelt und zwischen den Marktständen. Adelheid ist begeistert. Sie flaniert zum Zelt und hat Glück, dass noch einige Karten für die nächste Vorstellung, die in fünf Minuten beginnt, zu haben sind. Heute spielen sie den „Mittwinternachtstraum“ von Willi Shaker, ein sehr bekanntes Stück. Adelheid hat es schon in Topbesetzung im Theater in der Vogelgasse gesehen und ist schon auf die Umsetzung, Inszenierung und die Kostüme gespannt. Das Zelt ist fast ausverkauft und Adelheids Platz ist in der letzten Reihe rechts. Neben ihr sitzt ein junger Mann und blickt interessiert in die Runde. Adelheid setzt sich neben ihn. Er blickt sie lächelnd an, nickt ihr höflich zu und wünscht ihr eine schöne Vorstellung. Die Vorstellung beginnt und Adelheid amüsiert sich köstlich. Der Schlussapplaus ist fulminant und Adelheids Flügel beginnen bereits leicht zu schmerzen, so heftig klatscht sie mit. Viele Zuschauer sind sogar von ihren Sitzen aufgesprungen und zollen den Schauspielen mit stehenden Ovationen ihre Begeisterung. Der junge Mann neben ihr ist ebenfalls von seinem Platz aufgesprungen und klatscht heftig. Schon während der Vorstellung hat er Adelheid immer wieder ganz sanft angetippt und ihr Erläuterungen zum Stück zugeflüstert. Er scheint an Kunst auch sehr interessiert zu sein und sich gut auszukennen. Das gefällt Adelheid sehr. Am Ende verlässt sie das Zelt über die linke Außentreppe und will wieder in Richtung Marktausgang schlendern, als sie von hinten auf die Schulter getippt wird. Ihr Sitznachbar, er stellt sich höflich vor, David Roggenfelder Junior, bittet sie eine Stange Zuckerwatte mit ihm zu teilen. Adelheid, die schon lange keine mehr gegessen hatte und deren Eltern ihr zu viel Süßkram verboten hatten, ist erstens über seinen Namen, denn diesen hatte sie schon des Öfteren bei Gesprächen ihrer Eltern über Geschäfte gehört, und zweitens über die ungewöhnliche Spontaneinladung sehr überrascht und erfreut, stimmt sie zu. Sie essen gemeinsam Zuckerwatte und versprechen sich wiederzusehen. Bei der Verabschiedung schenkt David, Adelheid noch die Blümchen die er zuvor am Schießstand gewonnen hatte. Adelheid fliegt glücklich nach Hause. Leider wurde sie beim Betreten des Hauses von ihrem Vater erwischt, der sie natürlich zur Rede stellt und ihr sofort mit Hausarrest droht. Adelheid erzählt ihm von der tollen Vorstellung und den vielen neuen Eindrücken, was ihren Vater noch wütender macht. Als sie jedoch über ihre Begegnung mit David Roggenfelder Junior zu sprechen beginnt beruhigt sich ihr Vater erstaunlich rasch. Er verzeiht Adelheid ihren Ungehorsam, nimmt sie in die Arme und schließ genüsslich seine Augen. Er sieht vor seinem inneren Auge bereits die Realisierung seiner größten Projekte. Er sieht sich schon händeschüttelnd  und Bänder durchschneidend mit dem reichen Bankier, David Roggenfelder Senior, im Blitzgewitter der Fotografen in die jubelnde Menge lächeln.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Das rosarote Bilderbuch – Aus dem Reich Himmelblau – Die Blaugefiederten

Inflagranti ertappt
Königin mit ihren Zofen

Als König Schnabelfroh von Himmelblau wieder einmal feststellen musste, dass seine Untertanen aus dem Volke Blaugefieder unerlaubt in seinen Teichen zum Fischfang geflogen waren, machte er sich selbst auf den Weg die Ungehorsamen zur Rede zu stellen. Er fand sie am kleinen „Blaustreifenfischteich“ mit erjagter Beute sozusagen inflagranti. Er klagte sein Leid seiner allerliebsten Angetrauten, Königin Rosamunde von Himmelblau. Die kluge junge Königin, die wusste, dass Blaustreifenfische kross gebraten wundervoll schnabeln, hatte großes Verständnis für ihr Volk. So erklärte sie ihrem verärgerten Gemahl, dass ihre Kammerzofen, die Gattinnen der Blaugefiederten, ihr erzählt hatten, dass sie mit dem Verzehr der königlichen Fische, lediglich ihrem großzügigen König huldigen wollen und dabei Loblieder auf ihn zwitschern. König Schnabelfroh fühlte sich ungemein geehrt und bat seine Untertanen um eine Unterredung. Die Blaugefiederten waren etwas verängstigt über die überraschende Einladung zur Audienz. Als jedoch König Schnabelfroh ihnen die offizielle Erlaubnis zum Fischfang im „Blaustreifenfischteich“ erteilte, waren sie zwar erstaunt über die Güte, verbeugten sich jedoch rasch gnädig und freuten sich einfach nur diebisch.    

Königliche Audienz